Winde an der Adria — Bora, Maestral und Schirokko
Veröffentlicht 28. Juni 2026 · ~5 Min. Lesezeit
Wenn Sie im Sommer einen Tag am Meer planen, ist die Meerwassertemperatur nur die halbe Wahrheit — der Wind entscheidet, wie ruhig das Wasser sein wird, ob die Fähren fahren und ob ein Nachmittag am Strand angenehm oder sandig wird. Drei Winde prägen die sommerliche Adria: Bora, Maestral und Schirokko (Jugo). Jeder hat seine eigene Geografie, seinen eigenen Rhythmus und Auswirkungen auf Badegäste, Segler und Familienreisen.
Bora — kalter, plötzlicher Wind aus dem Landesinneren
Die Bora ist ein nordöstlicher Wind, der aus dem dinarischen Hinterland zum Meer weht, in Böen, die doppelt so stark sein können wie der mittlere Wind. Am heftigsten ist sie im Velebit-Kanal, im Kvarner-Gebiet und um Šibenik, wo das Gebirge die kalte Luft zur Küste lenkt. Im Sommer ist sie seltener als im Winter, aber auch im Juli und August bricht sie für ein bis zwei Tage durch und bringt klaren Himmel, kühlere Luft und kurze, scharfe Wellen. Für das Baden bedeutet das aufgewühltes, kühleres Wasser nahe der Küste, und für die Schifffahrt die Sperrung einzelner Fährlinien — vor allem Jablanac–Rab und der Linien nach Pag. Die Bora dauert in der Regel ein bis drei Tage und hört ebenso plötzlich auf, wie sie begonnen hat.
Maestral — der Sommerwind, der den Nachmittag prägt
Der Maestral ist ein warmer Nordwestwind, der durch den Temperaturunterschied zwischen Land und Meer entsteht. Er setzt am späten Vormittag ein, erreicht um die Mittagszeit seinen Höhepunkt und lässt vor Sonnenuntergang nach. Am ausgeprägtesten ist er in Mittel- und Süddalmatien im Juli und August bei stabilem, sonnigem Wetter. Für die meisten Besucher ist er willkommen, weil er die sommerliche Hitze mildert und das Meer mäßig bewegt hält — ideal zum Segeln und Windsurfen. Schwimmer stört er selten, außer an offeneren Stränden, wo nachmittäglicher Wellengang und feiner Sand das Wasser nahe der Küste trüben können. Der gleichmäßige, berechenbare Maestral ist der Grund, weshalb Hvar, Brač und Pelješac beliebte Segelreviere sind.
Schirokko (Jugo) — warmer Wind vom Meer
Der Schirokko, vor Ort Jugo genannt, ist ein südöstlicher Wind, der von der offenen See zur Küste weht und warme, feuchte Luft, Wolken und oft Regen bringt. Er baut sich allmählich auf, dauert länger als die Bora — typischerweise drei bis fünf Tage — und erzeugt längere, rollende Wellen, die sich an der Küste brechen. An offenen Stränden kann der Jugo höhere Wellen und trübes Wasser bedeuten, während geschützte Buchten meist ruhig bleiben. Für die Schifffahrt ist der Jugo wegen des anhaltenden Seegangs anstrengend, für Schwimmer bedeutet er wärmere Luft, aber geringere Sicht unter Wasser. Volkstümlich werden dem Jugo Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen zugeschrieben; das ist eine kulturelle, keine medizinische Aussage.
Kurzer Leitfaden nach Regionen
Die folgende Tabelle ordnet Regionen ungefähr den vorherrschenden Sommerwinden zu. Die tatsächlichen Bedingungen hängen von der synoptischen Lage des jeweiligen Tages und der Mikrolage des Strandes ab.
| Region | Vorherrschende Sommerwinde | Hinweis |
|---|---|---|
| Istrien | Maestral; gelegentlich Jugo | Bora schwächer als im Kvarner |
| Primorje-Gorski Kotar (Kvarner) | Bora, Maestral | Bora am stärksten im Velebit-Kanal |
| Lika-Senj (Küste) | Bora | Stärkste Bora der Adria |
| Zadar | Maestral, Bora | Bora am Eingang zum Velebit-Kanal |
| Šibenik-Knin | Maestral, Bora | Bora um Šibenik nach Frontdurchgang |
| Split-Dalmatien | Maestral; gelegentlich Jugo | Stetiger nachmittäglicher Maestral |
| Dubrovnik-Neretva | Maestral, Jugo | Jugo in den Übergangsmonaten ausgeprägter |
Wie man den Wind vor der Abreise prüft
Vor der Fahrt an die Küste lohnt es sich, die Windvorhersage in mehreren Quellen zu prüfen — DHMZ für die offizielle Prognose, Modelle wie ECMWF und ICON für feinere Auflösung sowie Apps wie Windy.com, die diese Modelle stundengenau darstellen. Für Fährverbindungen sind die Mitteilungen der Reederei (Jadrolinija, Krilo) am zuverlässigsten, da die Entscheidung über die Fahrt kurz vor Abfahrt fällt. Am Strand selbst sind Flaggen am Mast, sofern vorhanden, und das Verhalten der örtlichen Surfbrett- und Tretboot-Vermieter ein nützlicher Anhaltspunkt.